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Stenotrophomonas maltophilia im Trinkwasser: Risiken, Übertragung & Schutzmaßnahmen
Stenotrophomonas maltophilia – auch als Steno maltophilia oder früher Xanthomonas maltophilia bezeichnet – ist ein Umweltbakterium, das in feuchten Milieus gut überleben kann. Für gesunde Menschen ist es meist harmlos. Doch bei immungeschwächten Personen kann Stenotrophomonas maltophilia schwere Infektionen auslösen.
Auch über Trinkwasser kann Stenotrophomonas maltophilia übertragen werden – insbesondere, wenn sich die Bakterien in Biofilmen wasserführender Systeme vermehren.
Erfahren Sie, worauf Sie achten sollten, um Ihre Trinkwasserhygiene wirkungsvoll abzusichern.
Was ist Stenotrophomonas maltophilia?
Stenotrophomonas maltophilia ist ein gramnegatives (mit einer widerstandsfähigen Zellwand umgebenes), stäbchenförmiges Bakterium mit polaren Geißeln, über die es sich aktiv fortbewegen kann. Es lebt aerob – also unter Sauerstoffzufuhr – und kommt weltweit in Wasser, Erde, Abwässern und auf Pflanzen vor.
In wasserführenden Systemen kann sich Stenotrophomonas maltophilia bevorzugt in Biofilmen ansiedeln, die inbesondere an Grenzflächen zwischen Wasser und festen Oberflächen wie Rohrinnenwänden, Armaturen oder Dichtungen entstehen. Auch unter nährstoffarmen Bedingungen kann das Bakterium dort überdauern. Der im Wasser gelöste Sauerstoff reicht an diesen Kontaktflächen meist aus, um ein Überleben zu ermöglichen – besonders bei lauwarmen Temperaturen und Stagnation.
Gut zu wissen: Stenotrophomonas maltophilia wurde früher als Xanthomonas maltophilia bezeichnet.
Die Umbenennung erfolgte, weil genetische und biochemische Analysen gezeigt haben, dass diese Bakterienart deutlich von anderen Vertretern der Gattung Xanthomonas abweicht.
Aufgrund ihrer besonderen Stoffwechselwege – insbesondere der Fähigkeit, unter nährstoffarmen Bedingungen zu überleben („steno“ = eng begrenzt, „troph“ = Ernährung) – wurde sie 1993 in die neue Gattung Stenotrophomonas überführt.
Wie gefährlich ist Stenotrophomonas maltophilia?
Für gesunde Menschen ist eine Infektion selten und verläuft meist mild.
Bei immungeschwächten Personen hingegen – etwa auf Intensivstationen, während einer Chemotherapie oder bei chronischen Erkrankungen – kann Stenotrophomonas maltophilia lebensbedrohlich werden.
Klinisch relevante Infektionen sind:
- Lungenentzündung
- Bakteriämie
- Harnwegsinfektionen
Multiresistenz: Eine ernstzunehmende Herausforderung
Viele Stämme von Stenotrophomonas maltophilia sind gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent.
Diese Multiresistenz erschwert die Behandlung und macht Infektionen besonders gefährlich. Die konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen ist daher essenziell!
Stenotrophomonas maltophilia im Trinkwasser: So erfolgt die Übertragung
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist über den Kontakt mit kontaminiertem Wasser, insbesondere durch Aerosole beim Duschen, Händewaschen oder Zähneputzen.
Auch medizinische Geräte, die mit Leitungswasser gespült oder gekühlt werden, können zur Keimquelle werden – etwa Endoskope oder Beatmungsgeräte.
Wie gelangt Stenotrophomonas maltophilia ins Trinkwasser?
Die Bakterien gelangen über den Umweltkontakt oder bei baulichen Maßnahmen in die Trinkwasserinstallation.
Mögliche Risiken sind unsachgemäß angeschlossene Armaturen, Arbeiten am Rohrsystem oder Rückverkeimung aus dem Abwassersystem.
Typische Risikofaktoren sind:
- Totstränge und selten genutzte Leitungen
- Stagnation und lauwarme Temperaturen
- unzureichend gespülte Installationen
- verunreinigte Filter, Geräte oder Entnahmestellen
- nicht hygienisch abgesicherte Apparate in medizinischen Einrichtungen
Was tun bei Nachweis von Stenotrophomonas maltophilia?
Der Nachweis erfolgt über eine mikrobiologische Trinkwasseranalyse. Die Probenahme sollte gemäß § 41 TrinkwV an repräsentativen Entnahmestellen erfolgen.
Zwar ist Stenotrophomonas maltophilia nicht explizit in der TrinkwV aufgeführt, doch ihr Vorkommen kann als hygienisch relevant bewertet werden – insbesondere in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Dialysezentren. Dort darf Trinkwasser gemäß § 6 TrinkwV keine Krankheitserreger in Konzentrationen enthalten, die die menschliche Gesundheit gefährden können.
Empfohlene Maßnahmen sind:
- thermische oder chemische Desinfektion betroffener Anlagenteile
- gezielte Spülung stagnierender Leitungsabschnitte
- Austausch mikrobiologisch belasteter Komponenten
- vorübergehende Absicherung durch endständige Sterilfilter (gemäß DVGW-Empfehlung)
In seltenen Fällen können sogenannte Ultra-Mikrozellen von S. maltophilia selbst 0,2 μm-Filter passieren, wie eine Studie aus dem Jahr 2012 belegt. Besonders in Hochrisikobereichen empfiehlt sich daher eine regelmäßige Kontrolle der Entnahmestellen trotz Filtereinsatz!
Wichtig: Betreiber medizinischer Einrichtungen sind verpflichtet, bei mikrobiologischen Auffälligkeiten unverzüglich Maßnahmen zur Gefahrenabwehr einzuleiten und die zuständige Behörde zu informieren.
So beugen Sie Stenotrophomonas maltophilia im Trinkwasser vor
Mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko eines Befalls und einer Vermehrung deutlich senken:
- Vermeidung von Stagnation und Totsträngen
- Einhaltung der hygienischen Anforderungen bei Planung, Betrieb und Wartung
- regelmäßige Kontrolle und Wartung von Wasserfiltern und Geräten
- Absicherung sensibler Entnahmestellen durch endständige Filterlösungen