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Trinkwasserhygiene: Leitfaden für sauberes und sicheres Trinkwasser

Um Trinkwasser effektiv vor schädlichen Verunreinigungen zu schützen, ist die Auswahl geeigneter Sicherungsmaßnahmen entscheidend.
Erfahren Sie in diesem Beitrag, mit welchen Maßnahmen die Qualität des Trinkwassers nach heutiger wissenschaftlicher Auffassung erhalten und sichergestellt werden kann.
Was versteht man unter Trinkwasserhygiene?
Trinkwasserhygiene umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen, die Qualität des Trinkwassers zu erhalten und gesundheitliche Risiken durch Verunreinigungen zu vermeiden. Dazu gehören
- eine hygienegerechte Planung und Ausführung sowie
- der bestimmungsgemäße Betrieb und
- die fachgerechte Instandhaltung der Trinkwasserinstallation.
Die rechtliche Grundlage bildet insbesondere die Trinkwasserverordnung. Sie legt Anforderungen an die Wasserbeschaffenheit sowie Untersuchungs-, Informations- und Handlungspflichten fest.
Die einschlägigen DIN-Normen, die Richtlinienreihe VDI 6023 und die DVGW-Arbeitsblätter konkretisieren die technischen und hygienischen Anforderungen. Sie beschreiben unter anderem die erforderlichen Temperaturverhältnisse, den Wasserwechsel und die Instandhaltung.
Vier Erfolgsfaktoren für eine einwandfreie Trinkwasserhygiene
Um eine einwandfreie Trinkwasserhygiene zu gewährleisten, sind vier entscheidende Erfolgsfaktoren zu beachten:
1. Durchströmung
Eine ausreichende Durchströmung ist erforderlich, damit das Wasser auch in den einzelnen Leitungsabschnitten regelmäßig ausgetauscht wird. Ungünstige Leitungsführung, Überdimensionierung und selten genutzte Entnahmestellen können zu langen Aufenthaltszeiten und damit zu Stagnationswasser führen.
Die Installation muss deshalb auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt sein. Nicht mehr benötigte Leitungsabschnitte sind fachgerecht unmittelbar am Abzweig von der weiterhin betriebenen Installation zu trennen.
Werden Entnahmestellen nur selten genutzt, muss der notwendige Wasserwechsel durch geeignete Spülmaßnahmen sichergestellt werden. Dafür können auch automatische Spülsysteme wie der FLUSH 2.0 eingesetzt werden.
2. Temperatur
Die Temperatur beeinflusst die Vermehrung von Mikroorganismen im Trinkwasser. Eine unerwünschte Erwärmung des Kaltwassers und zu niedrige Temperaturen im Warmwassersystem können hygienische Risiken begünstigen.
Detaillierte Informationen haben wir in unserem Beitrag „Temperaturen Leitungswasser: Wichtig für Warm- & Kaltwasser“ aufbereitet.
3. Wasseraustausch
Ein regelmäßiger und vollständiger Wasserwechsel begrenzt die Aufenthaltszeit des Trinkwassers in der Installation. Dadurch werden hygienisch ungünstige Stagnationsbedingungen, eine Biofilmbildung und die Anreicherung von Stoffen aus den verwendeten Materialien vermindert.
Bei bestimmungsgemäßem Betrieb muss das Wasser spätestens innerhalb von 72 Stunden vollständig ausgetauscht werden. Wird dies durch die normale Nutzung nicht sichergestellt, sind geeignete Spülmaßnahmen erforderlich.
Das kurze Öffnen einzelner Armaturen genügt nicht zwangsläufig. Entscheidend ist der ausreichende Wasserwechsel in allen betroffenen Leitungsabschnitten.
Bereits vorhandene Biofilme werden durch den Wasserwechsel allein allerdings nicht zuverlässig beseitigt.
4. Nährstoffangebot
Mikroorganismen können Nährstoffe nutzen, die bereits im Wasser vorhanden sind oder durch Materialien und Verunreinigungen eingetragen werden, um sich zu vermehren und auszubreiten. Deshalb sind geeignete Werkstoffe und ein hygienischer Umgang mit Bauteilen besonders wichtig.
- Geeignete Materialien: Alle trinkwasserberührten Werkstoffe und Bauteile müssen den gesetzlichen Anforderungen und den jeweils geltenden Bewertungsgrundlagen entsprechen.
- Saubere Lagerung und Montage: Rohrleitungen und Bauteile müssen während Transport, Lagerung und Einbau vor Verschmutzung geschützt werden. Offene Anschlüsse sind geeignet zu verschließen.
- Fachgerechter Betrieb und Instandhaltung: Wasserwechsel, Inspektion und Wartung tragen dazu bei, hygienisch ungünstige Bedingungen zu begrenzen. Bei Auffälligkeiten müssen die Ursachen untersucht und geeignete Maßnahmen festgelegt werden.
Wichtig: Zusätzliche Wasserbehandlungsverfahren sind keine pauschale Lösung für ein erhöhtes Nährstoffangebot. Auch mechanische Filter entfernen nicht ohne Weiteres gelöste Nährstoffe.
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Bestimmungsgemäßer Betrieb für konstant hohe Wasserhygiene
Der bestimmungsgemäße Betrieb orientiert sich an den bei der Planung zugrunde gelegten Nutzungsbedingungen.
Dazu gehören insbesondere der regelmäßige Wasserwechsel, die Einhaltung der erforderlichen Temperaturen sowie die fachgerechte Inspektion und Wartung. Betriebsunterbrechungen und Änderungen der Nutzung müssen berücksichtigt werden.
Hierfür sind folgende Arbeitsschritte wichtig:
Dokumentation der Trinkwassersinstallation
Die Dokumentation beginnt bereits bei der Planung und muss während der Errichtung und des Betriebs fortgeschrieben werden. Sie umfasst die vorgesehenen Nutzungsbedingungen, aktuelle Planungs- und Bestandsunterlagen sowie die erforderlichen Betriebs-, Inspektions- und Wartungsanweisungen.
Prüfungen, Inbetriebnahme, Instandhaltungsmaßnahmen, Störungen und Untersuchungsergebnisse sind nachvollziehbar zu dokumentieren. Die Unterlagen müssen dem Betreiber zur Verfügung stehen und bei Änderungen der Installation oder ihrer Nutzung aktualisiert werden.
Informationen hierzu gibt es in:
- VDI 6026 Blatt 1 Allgemeine Anforderungen an Inhalt und Beschaffenheit der Dokumentation der technischen Gebäudeausrüstung.
- VDI-MT 3810 Blatt 1 Gebäude-, Anlagen- und Betriebsbuch sowie deren Fortschreibung.
- VDI 3810 Blatt 2 / VDI 6023 Blatt 3 Unterlagen und Aufzeichnungen für Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasserinstallationen.
- VDI 6023 Blatt 1 Hygienerelevante Planungsgrundlagen, Raumbuch sowie Dokumentation bei Errichtung und Inbetriebnahme.
- DIN EN 806-4 Dokumentation im Zusammenhang mit Installation, Prüfung und Inbetriebnahme.
- DIN EN 806-5 Betriebs- und Instandhaltungsunterlagen sowie Aufzeichnungen über durchgeführte Maßnahmen.
Trinkwasser stetig kontrollieren
Regelmäßige betriebliche Kontrollen helfen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise Temperaturmessungen, die Kontrolle technischer Einrichtungen und die Überprüfung der vorgesehenen Nutzung beziehungsweise der dokumentierten Spülmaßnahmen.
Welche Laboruntersuchungen vorgeschrieben oder fachlich erforderlich sind, hängt insbesondere von der Anlagenart, ihrer Nutzung und möglichen Auffälligkeiten ab. Gesetzlich vorgeschriebene Trinkwasseruntersuchungen sind durch dafür zugelassene Untersuchungsstellen durchzuführen.
Probenahmestellen und Untersuchungsumfang müssen zur jeweiligen Fragestellung passen. Auffällige Ergebnisse sind fachlich zu bewerten; erforderliche Maßnahmen sind zu veranlassen und zu dokumentieren.
Schon gewusst? Aqua free erstellt Untersuchungspläne nach § 31 TrinkwV!
Konsequente Instandhaltung des Trinkwassersystems
Die fachgerechte Instandhaltung unterstützt die Funktionsfähigkeit und den hygienischen Betrieb der Trinkwasserinstallation. Inspektions- und Wartungsintervalle richten sich nach den einschlägigen technischen Regeln und den Herstellerangaben.
Dazu gehören insbesondere:
- regelmäßige Inspektion und Wartung der vorhandenen Anlagen und Bauteile,
- Rückspülung beziehungsweise Filterwechsel entsprechend den Vorgaben,
- Kontrolle und Instandhaltung von Sicherungseinrichtungen,
- Überprüfung der Temperaturhaltung und der Zirkulation,
- Beseitigung festgestellter Mängel und Dokumentation der Maßnahmen.
Eine Reinigung oder Desinfektion der gesamten Installation ist keine pauschale Routineaufgabe. Ob sie erforderlich ist, muss anhand des Anlagenzustands und der vorliegenden Befunde fachlich beurteilt werden.
Trinkwassersicherheit gewährleisten: Schutzmaßnahmen gegen Verunreinigungen
Die Schutzmaßnahmen müssen auf die Installation, ihre Nutzung und mögliche Gefährdungen abgestimmt sein. Dazu gehören auch geeignete Sicherungseinrichtungen gegen Rückfließen aus angeschlossenen Geräten oder Nichttrinkwasseranlagen.
In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist zusätzlich der besondere Schutzbedarf der versorgten Personen zu berücksichtigen.
Trinkwasser-Hygieneplan
Nach DIN 1988-200, Abschnitt 3.8.1, ist für Gebäude mit besonderer Nutzung, beispielsweise Krankenhäuser, Seniorenwohnheime, Kindergärten, Schulen und Gebäude mit gewerblicher Nutzung, ein Hygieneplan erforderlich.
Der Trinkwasser-Hygieneplan ist ein erweiterter Instandhaltungsplan. Er beschreibt die erforderlichen Maßnahmen für den hygienischen Betrieb und das Vorgehen bei Störungen. Dazu gehören insbesondere:
- erforderliche Inspektions- und Wartungsmaßnahmen einschließlich der Intervalle,
- Umfang und Häufigkeit der Trinkwasseruntersuchungen sowie die festgelegten repräsentativen Probenahmestellen,
- Maßnahmen zum regelmäßigen Wasserwechsel und gegebenenfalls ein Spülplan,
- erforderliche Temperaturkontrollen und die zugehörigen Prüfpunkte,
- Vorgehen bei Betriebsunterbrechungen und Wiederinbetriebnahme,
- Maßnahmen bei technischen Störungen oder auffälligen Untersuchungsergebnissen,
- Verantwortlichkeiten und die Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen.
Der Hygieneplan muss die tatsächlichen Verhältnisse der Installation berücksichtigen und bei relevanten Änderungen angepasst werden. Herstellerangaben sowie die einschlägigen technischen und hygienischen Anforderungen sind dabei zu beachten.
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