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Klebsiella im Trinkwasser: Relevante Arten, Risiken & Schutzmaßnahmen

Klebsiella pneumoniae auf Nährmedien

 

Klebsiella-Arten wie K. pneumoniae sind weit verbreitete Umwelt-Bakterien. Für gesunde Menschen stellen sie in der Regel keine Gefahr dar. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa auf Intensivstationen oder während einer Krebstherapie, können sie jedoch schwere Infektionen, sprich nosokomiale Infektionen verursachen – etwa Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Sepsis.

Klebsiella oxytoca wird seltener nachgewiesen, kann aber ebenfalls nosokomiale Infektionen verursachen.

Auch über Trinkwasser können Klebsiella übertragen werden – vor allem, wenn sich Klebsiella in Biofilmen wasserführender Systeme ansiedeln und dort vermehren.

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Trinkwasserhygiene wirkungsvoll absichern – und was im Fall eines Nachweises zu tun ist.

Was sind Klebsiellen?

Klebsiella gehört zu den stäbchenförmigen Bakterien mit einer widerstandsfähigen Zellwand (gramnegativ). Sie bilden keine Sporen, sind unbeweglich, aber häufig von einer schützenden Schleimkapsel umgeben (CPS – capsular polysaccharides).

Klebsiella spp. sind fakultativ anaerob, d. h. sie können sowohl mit als auch ohne Sauerstoff wachsen.

In der Umwelt finden sich Klebsiella in Gewässern, im Erdreich oder auf Pflanzen. Auch im menschlichen Darm und in den oberen Atemwegen kommen sie bei bis zu 30 % der gesunden Bevölkerung vor – meist ohne Symptome.

Klinisch relevante Arten: Klebsiella pneumoniae und Klebsiella oxytoca

Klebsiella pneumoniae ist der medizinisch relevanteste Vertreter der Gattung und kann schwere Infektionen verursachen – darunter:

  • Lungenentzündungen (insbesondere Friedländer-Pneumonie)
  • Harnwegsinfektionen
  • Sepsis – also eine schwere, lebensbedrohliche Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion
  • seltener: Wundinfektionen, Meningitis, Endokarditis oder Enteritis

K. pneumoniae zählt laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) in medizinischen Einrichtungen zu den häufigsten Erregern bakterieller Sepsis und im Krankenhaus erworbener Lungenentzündungen.

Auch bei Neugeborenen kann Klebsiella pneumoniae laut RKI eine Sepsis verursachen. Das RKI dokumentierte mehrere Ausbrüche auf neonatologischen Intensivstationen in Deutschland.

Klebsiella oxytoca wird seltener nachgewiesen als K. pneumoniae, kann jedoch nosokomiale Infektionen verursachen. Die Bakterien können Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen und in Einzelfällen auch Sepsis auslösen.

Wie gelangen Klebsiellen ins Trinkwasser?

Klebsiella gelangt meist über den Umweltkontakt in die Trinkwasserinstallation, etwa bei Bauarbeiten und Sanierungen oder durch nicht sachgerecht angeschlossene Armaturen oder Einträge aus dem Erdreich.

Auch eine Rückverkeimung aus dem Abwassersystem ist möglich, beispielsweise durch unzulässige Querverbindungen zwischen Trinkwasser- und Abwassersystemen.

Sobald die Bakterien in das Leitungssystem eingetragen sind, können sie sich dort in Biofilmen ansiedeln.

Besonders betroffen sind Bereiche mit selten genutzten Leitungen, Totsträngen oder falsch dimensionierten Rohrleitungen – dort begünstigen Stagnation und lauwarme Temperaturen das Wachstum.

Typische Risikofaktoren für eine Kontamination der Trinkwasserinstallation mit Klebsiella sind:

  • nicht ausreichend gespülte Leitungsabschnitte
  • fehlerhaft installierte oder selten genutzte Armaturen
  • ungeschützte Verbindungen zum Abwassersystem
  • verunreinigte oder falsch gewartete Wasserfilter und Apparate

Wie erfolgt die Übertragung von Klebsiella auf den Menschen?

Die Übertragung auf Menschen erfolgt meist über Aerosole – etwa beim Duschen oder durch Aerosolbildung an Wasserhähnen, insbesondere in sensiblen medizinischen Bereichen

Auch medizinische Geräte, die mit Wasser gespült oder gekühlt werden – wie zum Beispiel Endoskope –, können zur Keimquelle werden, wenn für deren Aufbereitung kein hygienisch sicheres Wasser genutzt wird.

Wie gefährlich ist Klebsiella im Trinkwasser?

Für gesunde Menschen ist eine Infektion mit Klebsiella über das Trinkwasser selten und meist harmlos.

Anders sieht es bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem aus. Besonders gefährdet sind:

  • Säuglinge, Früh- und Neugeborene
  • ältere Menschen
  • Personen mit chronischen Erkrankungen
  • Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen
  • Menschen mit offenen Wunden oder invasiven Eingriffen

In diesen Bereichen kann eine Infektion mit Klebsiella pneumoniae oder K. oxytoca zu schweren Erkrankungen führen – darunter Lungenentzündung, Sepsis oder Harnwegsinfektionen.

Nachweis und Bewertung: Was tun bei Klebsiella-Verdacht?

Eine mikrobiologische Trinkwasseranalyse gibt Aufschluss über das Vorkommen von Klebsiella spp. im Leitungssystem.

Die Probenahme hat gemäß § 41 TrinkwV durch fachkundiges Personal an repräsentativen Entnahmestellen zu erfolgen, die den Zustand der gesamten Trinkwasserinstallation widerspiegeln.

Der Nachweis von Klebsiella spp. ist gemäß TrinkwV als Hinweis auf hygienische Mängel zu werten. In sensiblen Bereichen kann er als Krankheitserreger einzustufen sein und erfordert daher Maßnahmen.

Geeignete Maßnahmen sind unter anderem:

Wichtig: In medizinischen Einrichtungen sind Betreiber gemäß Abschnitt 11 TrinkwV verpflichtet, bei mikrobiologischen Auffälligkeiten unverzüglich Maßnahmen zur Gefahrenabwehr einzuleiten und die zuständige Behörde zu informieren.

Multiresistente Klebsiella-Stämme: Eine wachsende Herausforderung

Ein Teil der Klebsiella-Stämme – insbesondere Klebsiella pneumoniae – bildet sogenannte ESBL (Extended-Spectrum Beta-Laktamasen). Diese Enzyme machen wichtige Antibiotikagruppen wie Penicilline und Cephalosporine wirkungslos.

Ein besonders kritischer Resistenzmechanismus ist die Bildung von KPC (Klebsiella pneumoniae carbapenemase). Diese Enzyme spalten auch Carbapeneme – also Reserveantibiotika, die häufig als letzter therapeutischer Ausweg gelten. Infektionen mit KPC-bildenden Klebsiella-Stämmen sind daher schwer behandelbar und insbesondere in medizinischen Einrichtungen mit hohen Risiken verbunden.

Multiresistente Erreger stellen im Allgemeinen eine ernstzunehmende Herausforderung dar. Umso wichtiger ist eine konsequente Prävention!

Klebsiella im Trinkwasser vorbeugen

Das Risiko einer Belastung mit Klebsiella lässt sich durch präventive Maßnahmen deutlich senken.

Entscheidend sind:

  • die Vermeidung von Stagnation,
  • die Einhaltung hygienischer Vorgaben sowie
  • der gezielte Einsatz von Schutzsystemen.

Regelmäßige mikrobiologische Kontrollen und eine fachgerechte Planung und Wartung der Trinkwasserinstallation helfen, Biofilmbildung und Keimausbreitung zuverlässig zu verhindern.

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