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Retrograde Kontamination: Entstehung, Risiken & Lösungsansätze
Unter retrograder Kontamination (Rückverkeimung) versteht man die Verunreinigung einer Wasserversorgungsanlage, die von der Entnahmestelle ausgeht – also entgegen der Fließrichtung des Wassers. Dabei können Bakterien und Keime von außen, etwa durch Spritzwasser, an den Auslass von Armaturen oder in das Innere von Wasserfiltern gelangen und somit auch potenziell in die Trinkwasserleitungen.
Kommen darüber dann Personen mit den Bakterien und Keimen in Kontakt, birgt dies das Risiko einer Infektion – entsprechend gilt es retrograde Kontaminationen zu verhindern.
Wie Sie einer Rückverkeimung durch technische Lösungen und sachgemäßen Umgang effektiv vorbeugen, erklären wir in diesem Beitrag.
Abflüsse und Siphons als Quelle retrograder Kontamination
Die größte Gefahr für eine retrograde Kontamination besteht bei
- Spritzwasser aus dem Abfluss oder
- bei aus dem Abfluss aufsteigenden Aerosolen.
Denn dadurch können die wassergebundenen Bakterien aus dem Abfluss auf den Waschbereich übertragen werden und aufsteigende Aerosole in einem Umkreis von bis zu 1,5 Metern um das Waschbecken herum in die Raumluft gelangen.
Daher sollte der Wasserstrahl nie direkt in den Abfluss fallen!
Welche Rolle Siphons und Abwasserleitungen bei Ausbrüchen nosokomialer Infektionen spielen können und wie Infektionsausbrüchen vorgebeugt werden kann, erklären wir im Beitrag HygieneSiphon stoppt Aufstieg von Aerosolen aus Abflüssen.
Wasserfilter als Quelle retrograder Kontamination
Bei einem Keimbefall des Leitungswassers werden als Sofortmaßnahme häufig Wasserfilter installiert, um diese Keime effektiv zurückzuhalten. Aber auch Wasserfilter unterliegen der Gefahr einer retrograden Kontamination.
Um diese möglichst gering zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Bakteriostatische Wasserfilter und bakterizide Materialien
Der Zusatz eines bakteriostatischen Additivs im Kunststoff der Filtergehäuse verhindert z. B. das Wachstum von Keimen. Ein solcher Wirkstoff sorgt dafür, dass sich Erreger auf dem Filtergehäuse nicht weiter vermehren können, indem ein essenzieller Teil der Neubildung des Organismus blockiert wird.
Zudem können die Wasserauslässe mit einem bakteriziden Material versehen werden, welches aktiv Schutz vor Keimen bieten. Aufgrund der bakteriziden Wirkung haben sich für diese Beschichtungen z. B. Silber oder Kupfer für die Wasserauslässe bewährt.
Schon gewusst? Unsere Filter Baclyser® neo T und unser Baclyser® S bieten besten retrograden Schutz durch die antibakteriell wirksame MetalSkin®-Beschichtung.
Sachgemäßer Umgang mit Wasserfiltern
Neben dem Schutz, den das bakteriostatische Material bietet, ist allerdings ein sachgemäßer Umgang mit den Wasserfiltern von großer Bedeutung:
- Der Filter sollte nicht am Auslass berührt werden.
- Ein Kontakt des Filterauslasses mit Schmutz- und Brauchwasser sollte vermieden werden.
- Die Filter sollten nicht gesäubert werden.
- Bei starken sichtbaren Verschmutzungen, wie Blut oder Schleim, sollte der Filter sofort gewechselt werden.
- Auch bei sichtbaren Schäden sollte ein sofortiger Wechsel erfolgen.
- Personen in Einrichtungen mit Filterausstattung müssen über den Umgang mit Medizinprodukten eingehend aufgeklärt werden.
Um einer retrograden Verkeimung entgegenzuwirken, ist es zudem wichtig, die Filter nach den Angaben des Herstellers regelmäßig auszutauschen.
Bei einem sachgemäßen Umgang ist das Risiko einer retrograden Verkeimung eines Filters innerhalb der vorgegebenen Standzeit als minimal einzustufen.
Retrograde Kontamination in Dentalpraxen
In zahnärztlichen Praxen besteht ein erhöhtes Risiko für eine retrograde Kontamination der Dentalinstrumente durch zurückgelaufenen Speichel, Blut oder Wundsekrete. Dies kann durch die Geräte in die wasserführenden Leitungen gelangen. Die Folge: Der nächste Patient erhält verunreinigtes Wasser.
Auch Aerosole aus Absauganlagen können offene Wassersysteme infizieren.
Damit die Patienten durch eine mögliche retrograde Verkeimung keinem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt in der Veröffentlichung „Wasserhygiene & Wasseraufbereitung Zahnarztpraxis“ z. B. das Ausspülen der wasserführenden Systeme über 20 Sekunden nach jedem Patienten. Darüber hinaus sollte der Rücklauf der Flüssigkeiten durch entsprechende Rücksaughemmventile verhindert werden.
Fazit: Sicherheit an der Entnahmestelle ist kontrollierbar
Retrograde Kontamination stellt ein Risiko für die Wasserhygiene dar, da sie die Trinkwasserqualität unmittelbar am Point-of-Use gefährdet.
Doch wie wir gezeigt haben, lässt sich diese Gefahr durch eine Kombination aus moderner Technik und bewusstem Handeln effektiv beherrschen – bei Bedarf beraten wir Sie gerne.