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Bakterien im Trinkwasser: Welche Keime können unser Wasser verunreinigen?
In vielen europäischen Regionen liefern die Wasserversorger Trinkwasser von hoher Qualität und kontrollieren es regelmäßig. Risiken entstehen meist erst im Gebäude: In kontaminierten Leitungen oder bei stagnierendem Wasser können sich Bakterien oder andere Keime vermehren. Für Betreiber von Trinkwasseranlagen heißt das: In der Regel ist nicht die Einspeisung das Problem, sondern die Installation im eigenen Haus.
Im folgenden Artikel stellen wir die wichtigsten Bakterien im Trinkwasser vor und zeigen, welche weiteren Keime eine Rolle spielen können.
Bakterien im Trinkwasser: Wasser muss nicht keimfrei sein
Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) und die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) geben vor, dass Trinkwasser „keine Krankheitserreger in Konzentrationen enthalten darf, die die menschliche Gesundheit gefährden können“. Somit muss unser Leitungswasser grundsätzlich nicht komplett keimfrei sein, aber es gelten klare Vorgaben, wann Maßnahmen erforderlich sind. Werden bestimmte Vorgaben überschritten, besteht Handlungsbedarf, um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen.
Gut zu wissen: Grenzwerte, Indikatorparameter und technischer Maßnahmenwert
- Grenzwerte (Anlage 1 TrinkwV): Gelten für bestimmte Bakterien, deren Nachweis im Trinkwasser nicht zulässig ist. Schon ein einzelner Befund macht sofortiges Handeln erforderlich.
- Indikatorparameter (Anlage 3 TrinkwV): Sie dienen der Einschätzung der Anlagenhygiene. Eine Überschreitung bedeutet kein unmittelbares Gesundheitsrisiko, zeigt aber Auffälligkeiten, die Betreiber prüfen sollten.
- Technischer Maßnahmenwert (Anlage 3 TrinkwV): Bezieht sich ausschließlich auf Legionellen. Wird er überschritten, ist eine Risikoabschätzung vorgeschrieben und es müssen geeignete Maßnahmen umgesetzt werden.
Für Betreiber von Trinkwasseranlagen bedeutet das: Grenzwerte sichern unmittelbar die Gesundheit, Indikatorparameter helfen bei der Bewertung der Anlagenhygiene, und der technische Maßnahmenwert zeigt das Risiko durch Legionellen auf.
Besonders in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern sind besondere Maßnahmen zur Vorbeugung und im Falle eines Befundes erforderlich. Denn Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko, durch kontaminiertes Wasser zu erkranken. Entsprechend gibt es hier von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) spezielle Empfehlungen.
Begünstigt Biofilm Keime im Trinkwasser?
Ja, durch Biofilmbildung wird die Vermehrung von Keimen und Bakterien begünstigt, da sie ideale Bedingungen für das Wachstum der Erreger bieten.
Da Biofilme sich nur schwer entfernen lassen, ist Vorbeugung (z. B. durch bestimmungsgemäße Nutzung, hygienische Installation, ausreichende Temperaturen) besonders wichtig!
Kommt es dennoch zu einer mikrobiologischen Belastung – etwa durch Biofilm oder erhöhte Keimzahlen – ist eine professionelle Desinfektion der Trinkwasseranlage unerlässlich.
Bakterien und Keime im Trinkwasser: Eine Übersicht
Eine Vielzahl von Bakterien und Viren sind in der Lage, zumindest für eine gewisse Zeit im Wasser zu überleben und das Trinken von kontaminiertem Trinkwasser kann bei Menschen gesundheitliche Probleme auslösen. Manche Erreger werden auch über Aerosole, die Haut, über Wunden oder Körperöffnungen aufgenommen.
Legionellen im Trinkwasser
Legionellen gehören zu den bekanntesten Bakterien im Trinkwasser.
Besonders die Art Legionella pneumophila kann beim Einatmen von belasteten Aerosolen schwere Erkrankungen wie die Legionärskrankheit auslösen.
Ihr Wachstum wird vor allem durch Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C begünstigt – deshalb stellt Stagnation in Warmwasserleitungen ein besonderes Risiko dar.
Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag: Legionellen: Wo kommen sie vor, wie kann ich mich schützen?
Pseudomonaden im Trinkwasser
Pseudomonas aeruginosa ist ein typischer Nasskeim, der Feuchtigkeit für sein Wachstum benötigt. Er kommt in der Umwelt vor, findet sich aber auch in Trinkwasserleitungen und Biofilmen. Dort profitiert er von Stagnationswasser und kann sich stark vermehren.
Für Betreiber von Trinkwasseranlagen ist besonders kritisch, dass dieses Bakterium Infektionen in Lunge, Harnwegen oder Wunden verursachen kann und oft gegen gängige Antibiotika resistent ist.
Ausführliche Informationen finden Sie hier: Pseudomonaden im Trinkwasser
Coliforme Keime im Trinkwasser
Coliforme Bakterien wie Escherichia coli sind typische Indikatorkeime. Sie können im Trinkwasser nur wenige Tage überleben – ihr Nachweis weist daher fast immer auf eine frische fäkale Verunreinigung hin.
Schon geringe Mengen mit bestimmten Coliformen Bakterien verunreinigten Wassers können Durchfallerkrankungen verursachen.
Für Betreiber von Trinkwasseranlagen gilt: Der Grenzwert für coliforme Bakterien liegt bei null. Ihr Auftreten erfordert sofortiges Handeln!
Mehr erfahren Sie im Beitrag: Coliforme Bakterien im Trinkwasser – alles zu E. coli, Enterobacter & Co.
Stenotrophomonas maltophilia
Stenotrophomonas maltophilia ist ein Umweltbakterium, das in Böden, auf Pflanzen und auch im Wasser vorkommt.
In der Trinkwasserinstallation kann es Biofilme besiedeln und sich dort vermehren.
Für gesunde Menschen ist es meist unbedenklich, für immungeschwächte Personen jedoch riskant, da es Infektionen in den Atemwegen, im Blutkreislauf oder in Wunden verursachen kann.
Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag: Stenotrophomonas maltophilia im Trinkwasser: Risiken, Übertragung und Schutzmaßnahmen
Klebsiella im Trinkwasser
Klebsiella gehören zur Familie der Enterobakterien und kommen natürlicherweise im Darm von Mensch und Tier vor.
Gelangen sie in die Trinkwasserinstallation, können sie sich in Biofilmen festsetzen und dort überdauern.
Für gesunde Menschen stellen sie meist kein Problem dar. Für immungeschwächte Personen können jedoch Infektionen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte oder Blutvergiftungen entstehen.
Mehr Details lesen Sie im Beitrag: Klebsiella im Trinkwasser – Arten, Risiken und Schutzmaßnahmen
Enterokokken im Trinkwasser
Enterokokken zählen zu den Milchsäurebakterien, die im menschlichen und tierischen Darm vorkommen und dort die Verdauungsprozesse unterstützen. Aufgrund ihrer fermentierenden Eigenschaften werden sie einigen Lebensmitteln sogar bewusst, zugefügt, beispielsweise Käse oder Rohwürsten.
Enterokokken können Erkrankungen wie Harnwegsinfekte, Endokarditis, Wundinfektionen oder Abszesse verursachen – insbesondere bei geschwächtem Immunsystem oder wenn sie über Eintrittsstellen wie Katheter, Wunden oder Schleimhäute in den Körper gelangen, beispielsweise über kontaminiertes Trinkwasser.
Anders als coliforme Keime können Enterokokken, die zur Gruppe der Fäkalstreptokokken gehören, außerhalb des Darms bis zu einigen Wochen überleben. Bei einer gemessenen Verunreinigung ist es daher schwierig, genau den Zeitpunkt der Verunreinigung zu bestimmen.
Bisher sind rund 25 Enterokokken-Arten bekannt. Die häufigsten Verursacher von Infektionen sind Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium.
Weitere Keime und Bakterien im Trinkwasser
Es gibt auch noch weitere pathogene Keime, die im Wasser überleben können: Dazu gehören unter anderem Salmonellen, Enterobacter sowie Vibrio cholerae. Auch Viren wie Noro- und Rotaviren können gastrointestinale Erkrankungen auslösen. Zudem besteht das Risiko, sich über das Trinkwasser mit Hepatitis-A- und -E-Viren zu infizieren.
Keime im Trinkwasser: Was tun? Unsere Empfehlungen
Wichtig ist grundsätzlich, dass keine Keime, Bakterien oder Viren in das Trinkwasser gelangen.
Ebenso entscheidend ist die Vorbeugung mit geeigneten Maßnahmen, um eine Vermehrung in der Installation zu verhindern.
- Wasser regelmäßig fließen lassen: In Stagnationswasser vermehren sich Bakterien besonders leicht.
- Perlatoren (Strahlregler) regelmäßig reinigen oder austauschen – sie sind typische Sammelpunkte für Keime.
- Trinkwasser testen lassen: So werden Belastungen frühzeitig erkannt.
- Sterilfilter nutzen: Direkt an Hahn oder Dusche angebracht, bieten sie sofortigen Schutz vor Wasserkeimen.
Die wichtigsten Risiken im Blick zu behalten und gezielt vorzubeugen, ist entscheidend, um die Trinkwasserqualität dauerhaft zu sichern. Für Betreiber von Trinkwasseranlagen bedeutet das: regelmäßige Kontrolle, konsequente Hygiene und der Einsatz geeigneter Schutzmaßnahmen.
Detaillierte Informationen finden Sie in unserem Beitrag: Trinkwasserhygiene – Grundlagen und Maßnahmen
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