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Trinkwasserhygiene auf Schiffen: Herausforderungen und internationale Standards
Die Bereitstellung von einwandfreiem Trinkwasser auf Schiffen jeder Größe ist oft eine logistische und technische Herausforderung für Schiffsbesitzer oder Flottenbetreiber – und auf Fahrtgastschiffen gleichzeitig klare Erwartungshaltung der Gäste.
Herausforderung Trinkwasserhygiene auf Schiffen
Die (langen) Leitungswege, schwankende Entnahmemengen und wechselnde Wasserquellen in (internationalen) Häfen sind die größten Herausforderungen für Schiffe aller Größe.
| Kleine Schiffe & Yachten | Große Schiffe (Fracht/Marine) | Kreuzfahrtschiffe | |
|---|---|---|---|
| Hauptrisiko | Schnelles Erwärmen der Leitungen, v. a. in warmen Gewässern. | Fehlende Durchströmung: Lange Liegezeiten in Häfen oder ungenutzte Sektionen. | Komplexität: Riesige Verteilnetze mit tausenden Entnahmestellen. |
| Leitungswege | Kurz, aber oft in heißer Umgebung (Maschinenraum/Rumpf). | Funktional, oft lange Stichleitungen zu den Kabinen. | Häufig sehr verzweigt; Risiko von Totleitungen und Biofilmbildung ist tendenziell hoch. |
| Wasserquelle | Oft Eigenproduktion (Entsalzung) oder kleine Mengen Landwasser. | Große Bunkermengen, Aufnahme in wechselnden Häfen weltweit. | Mix aus Entsalzung und Bunkern; höchste Anforderungen an die Aufbereitung. |
| Nutzergruppe | Eigner, kleine Crew, wenige Gäste. | Erfahrene Crew, meist gesunde Erwachsene. | Sehr heterogen, häufig Senioren, teils Gäste mit Vorerkrankungen. |
Die unterschiedlichen Herausforderungen auf den Schiffstypen, insbesondere die Kombination aus Stagnation und warmen Temperaturen begünstigten die Bildung von Biofilm, der ideale Bedingungen für das Wachstum von Krankheitserregern wie Legionella pneumophila oder auch anderen wassergebundenen Bakterien und Keime bietet.
Entsprechend wichtig ist es auf Schiffen, für eine einwandfreie Trinkwasserhygiene zu sorgen.
Der „Guide to Ship Sanitation“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist hier das übergreifende Standardwerk für Hygiene auf Schiffen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
Trinkwasserhygiene auf kleineren Schiffen ohne Crew
Für kleinere Schiffe und Yachten empfiehlt es sich, bereits beim Bunkern auf kompakte Wasserfilter, wie den AS FILL Season zu setzen, um den Eintrag von Erregern in Ihre Tanks zuverlässig zu verhindern.
Ergänzend bieten Inline-Systeme oder endständige Filter an den Entnahmestellen eine sichere Barriere, die Bakterien unmittelbar vor dem Kontakt mit dem Nutzer aus dem Wasser filtern.
Trinkwasserhygiene auf größeren Schiffen mit Crew
Das Seearbeitsübereinkommen (Maritime Labour Convention, MLC) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) legt verbindliche Mindeststandards für die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord fest, zu denen auch die Trinkwasserhygiene gehört.
Kernpunkte der Trinkwasserhygiene sind:
- Sicherstellung der Trinkwasserqualität: Das MLC verpflichtet Reeder und Kapitäne, Trinkwasser in geeigneter Qualität, Menge und ausreichendem Nährwert zur Verfügung zu stellen.
- Gesundheitsschutz: Das Trinkwasser muss sicher genug zum Trinken sein. Das Übereinkommen definiert Regelungen, die hohe Qualitätsstandards für Trinkwasser an Bord gewährleisten, um die Gesundheit der Seeleute zu schützen.
Trinkwasserhygiene auf Kreuzfahrtschiffen
Auf einem Kreuzfahrtschiff treffen zwei Welten aufeinander: Ein hochkomplexes, mobiles Wassersystem – häufig mit Warmwasserbereichen und Aerosolbildung – und der Anspruch der Gäste auf einen unbeschwerten Urlaub.
Ein einziger Vorfall kann hier nicht nur die Gesundheit der Passagiere gefährden, sondern auch den Ruf der gesamten Reederei schädigen.
Um weltweit flexibel agieren zu können und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten, hat sich in der Branche vielfach eine hybride Strategie bewährt.
1. CDC-VSP: Der technische Maßstab für Kreuzfahrtschiffe
Das Vessel Sanitation Program (VSP) des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) setzt mit Blick auf die Trinkwasserhygiene den technischen Maßstab für Kreuzfahrtschiffe.
Das CDC, eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, definiert den Hygieneschutz für Kreuzfahrtschiffe, die US-Häfen anlaufen oder Passagiere in den USA aufnehmen. Und da nahezu alle großen Reedereien diese Routen bedienen, wirken die Standards weltweit und prägen faktisch den globalen Maßstab für Wasserhygiene auf Kreuzfahrtschiffen.
In der neuesten Variante der CDC-VSP-Standards gibt es als bedeutende Erweiterung nun erstmals auch ein verpflichtendes Legionellen-Monitoring sowie strengere Dokumentations- und Überwachungsregeln in den Vorschriften, die in vielen Bereichen formale Lücken aufheben. Erfahren Sie hier mehr über die spezifischen CDC-VSP-Standards 2025.
2. European Manual: Der operative Rahmen in Europa
Während die Technik auf Basis des CDC-VSP oft nach US-Vorbild verbaut ist, nutzen viele Betreiber in europäischen Gewässern das European Manual for Hygiene Standards and Communicable Disease Surveillance als Leitfaden für den täglichen Betrieb. Es bietet einen umfassenden Rahmen für das tägliche Gesundheitsmanagement und die Überwachung von Infektionsrisiken, indem es auf eine kontinuierliche Risikoanalyse, die über die reine Technik hinausgeht und auch das Verhalten der Crew und die Prozesse an Bord einbezieht, setzt.
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Wie Aqua free Reedereien unterstützt
Aqua free begleitet Reedereien seit vielen Jahren im Hygieneschutz wasserführender Systeme.
Unsere Lösungen erleichtern die Umsetzung:
- Rückhalt von Bakterien durch 0,2 µm-Hohlfasermembranen
- Kabinen- und Duschfilter für Gäste- und Crewbereiche
- Lösungen für Spa-Installationen und Bereiche mit Aerosolbildung
- Unterstützung bei Risikobewertung, Planung und Betrieb
- Produkte, die Crews schnell einsetzen und sicher handhaben
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