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EU-Trinkwasserrichtlinie: Harmonisierte Produktzertifizierung

Mit der EU-Trinkwasserrichtlinie (Richtlinie 2020/2184) hat die Europäische Union neue Standards festgelegt, um den Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser als Grundrecht sicherzustellen. Während die Richtlinie bereits seit Januar 2021 strengere Grenzwerte für Schadstoffe sowie erweiterte Überwachungsanforderungen vorschreibt, steht nun der nächste entscheidende Schritt im Zeitplan bevor: die Einführung eines vollständig harmonisierten Systems für Materialien und Produkte im Kontakt mit Trinkwasser.

Bisher mussten Hersteller für jedes Land separate Zertifizierungen durchlaufen. Ab 2026 greifen jedoch die neuen EU-weiten Anforderungen, die nationale Zulassungen wie das DVGW-Siegel, ACS oder Kiwa schrittweise ablösen.

Ein Standard für Europa: Was Betreiber von Trinkwasseranlagen jetzt wissen müssen

Die Fragmentierung der nationalen Zulassungssysteme sorgte lange Zeit für Intransparenz bei der Materialgüte. Die neue Richtlinie führt daher EU-weit geltende Mindesthygienanforderungen ein (Artikel 11), um ein gleichbleibend hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit sicherzustellen.

Die Kernpunkte des neuen EU-Konformitätssystems

Das neue System basiert auf strengen Kriterien. Produkte, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen, dürfen künftig:

  • keine schädlichen Stoffe in Konzentrationen abgeben, die die menschliche Gesundheit gefährden.
  • das mikrobielle Wachstum (beispielsweise von Legionella pneumophila oder anderen Bakterien) nicht fördern.
  • den Geschmack, den Geruch oder das Aussehen des Wassers nicht negativ beeinflussen.

Ein zentrales Instrument sind die sogenannten EU-Positivlisten. Diese Listen definieren rechtsverbindlich, welche Ausgangsstoffe und Materialien für die Herstellung von Trinkwasserinstallationen zulässig sind. Produkte, die diesen Anforderungen entsprechen, erhalten eine EU-Konformitätserklärung und eine entsprechende Kennzeichnung. Damit ist der Einsatz dieser Komponenten in allen EU-Mitgliedstaaten ohne zusätzliche nationale Hygieneprüfungen möglich.

Sonderfall UK: Was passiert mit der WRAS-Zertifizierung?

Während die EU-Mitgliedstaaten ihre nationalen Systeme harmonisieren, stellt das Vereinigte Königreich nach dem Brexit einen Sonderfall dar. Die bekannte WRAS-Zertifizierung (Water Regulations Advisory Scheme) bleibt für den britischen Markt weiterhin bestehen. Da das Vereinigte Königreich nicht mehr an die direkte Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie gebunden ist, werden dort nationale Anforderungen an die mechanische und hygienische Sicherheit von Produkten nach jetzigem Stand eigenständig fortgeführt.

Die Bedeutung des EU-Konformitätssystems für Aqua free Produkte

Für Aqua free bedeutet diese regulatorische Neuerung, dass wir unsere künftigen Produktzertifizierungen konsequent auf diesen neuen europäischen Standard ausrichten, da wir künftig keine individuellen nationalen Zertifizierungen mehr für jedes einzelne Land – wie ACS, KIWA oder UBA – durchführen werden bzw. durchführen müssen.

Der Zeitplan der Umstellung: Fristen von 2026 bis 2032

Die Umstellung auf das neue System erfolgt schrittweise, um Herstellern und Betreibern von Trinkwasseranlagen eine verlässliche Übergangsphase zu ermöglichen:

JahrMeilenstein
2026Inkrafttreten des Rahmens für die EU-Positivlisten für Materialien und Produkte im Kontakt mit Trinkwasser.
1. Januar 2027Harter regulatorischer Schnitt: Alle neuen Produkte, die ab diesem Datum auf dem EU-Markt platziert werden, müssen zwingend den neuen EU-Hygienestandards entsprechen.
2027 – 2032Übergangszeitraum: Produkte, die bereits über bestehende nationale Zulassungen (wie ACS oder Kiwa) verfügen, dürfen noch bis Ende 2032 vermarktet werden.
Ende 2032Vollständige Harmonisierung: Nationale Hygienezertifikate verlieren ihre Bedeutung für den Marktzugang; das EU-System ist allein maßgeblich.

Strategische Bedeutung: „One standard – one test“

Für Sie als Betreiber, Planer oder Verantwortliche einer Trinkwasseranlage ist diese Entwicklung eine erhebliche Vereinfachung. Das Prinzip „One standard – one test – accepted across Europe“ reduziert den administrativen Aufwand und sorgt für eine transparente Vergleichbarkeit von Produkten.

Wichtig zu wissen: Während die hygienische Eignung künftig EU-weit harmonisiert ist, bleiben mechanische oder funktionale Anforderungen (z. B. Belastbarkeit oder Durchflussraten) weiterhin teilweise in nationaler Hand.

Unser Experten-Tipp: Prüfen Sie bereits heute bei anstehenden Sanierungen oder Neubauprojekten, ob die gewählten Komponenten für die regulatorischen Anforderungen ab 2027 gerüstet sind. So vermeiden Sie Fehlinvestitionen und sichern die Wasserhygiene in Ihrer Einrichtung langfristig ab.

Sie haben Fragen zur Auswahl konformer Materialien?

Wir beraten Sie gerne umfassend dabei, wie Sie Ihre Trinkwasserinstallation zukunftssicher und hygienisch einwandfrei betreiben.

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